
Drei Volkshochschulabende habe ich abgebrochen, bevor ich überhaupt einen sauberen C-Dur-Septakkord greifen konnte; das Abo bei meineMusikschule läuft seit acht Monaten, ohne dass ich auch nur einmal ans Kündigen gedacht habe. Der Unterschied liegt nicht an meiner Motivation – die war beide Male gleich hoch –, sondern an der Kursstruktur dahinter. Ich wollte Akkordeon lernen, und zwar an der geerbten Hohner Concerto II meines Großvaters, einem Instrument, das mehr Baujahr als Bedienungsanleitung hat. Die kurze Antwort auf die Frage, ob dieser meineMusikschule-Test für Wiedereinsteiger grünes Licht gibt: Für komplette Neulinge ja, für Wiedereinsteiger mit Vorwissen nur mit Einschränkungen – den Rest liefere ich mit Zahlen und Tabelle.
Dieser Beitrag enthält Affiliate-Links. Kaufst du darüber einen der Kurse, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich dein Preis ändert. Meine Einschätzung stützt sich auf eine Vergleichstabelle, die ich seit achtzehn Monaten und sieben getesteten Kursen pflege – nicht auf das, was in den Werbetexten steht.
SaaS-Abo statt Einmalkauf: Wie meineMusikschule strukturiert ist
Nachdem die Volkshochschule für mich erledigt war, habe ich mich bei meineMusikschule angemeldet. Die Plattform funktioniert wie ein klassisches SaaS-Modell: Du zahlst monatlich und bekommst Zugriff auf das komplette Lektionsangebot. Die Einstiegshürde ist niedrig – genau das, was ich nach drei abgebrochenen Kursabenden brauchte, um überhaupt wieder anzufangen.

Getestet habe ich den Kurs acht Monate lang, mit dem Ziel, die vierunddreißig Tasten der Diskantseite und das Stradella-Bass-System so weit zu beherrschen, dass ich nicht bei jedem Akkordwechsel im Kopf einen Systemabsturz erlebe. Welches Bass-System ein Kurs überhaupt abdeckt, ist dabei ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle mehr Raum bekommt. Die Struktur bei meineMusikschule ist kleinschrittig, fast vorsichtig – das senkt die Hemmschwelle, verlangsamt aber bei Wiedereinsteigern mit Vorerfahrung die Lernkurve künstlich, was sich für mich streckenweise anfühlte, als würde eine Dokumentation in zehn Unterpunkten erklären, wie man ein Terminal öffnet.
Antwortet der Support schneller als ein Freitags-Ticket?
Bei Fragen zur Balgführung oder zur Fingerhaltung beim C-Dur-Septakkord antwortet der Support bei meineMusikschule ordentlich – schneller, als ich das von einem Freitagnachmittags-Ticket in der IT gewohnt bin. Balgführung selbst wird in den frühen Lektionen nur gestreift, richtig erklärt wird sie woanders ausführlicher, und wer komplett notenfrei lernen will, ist bei diesem notenbasierten Kurs ohnehin falsch. Support-Antworten checke ich zwischendurch auch mal am Marienplatz auf dem Handy, während ich auf die Tram warte, und auch dort blieb die Reaktionszeit spürbar kurz.
An einem Vormittag im zeitigen Frühjahr wollte ich eine C-Dur-Tonleiter "rebooten" und merkte nach vierzig Minuten Fingerkorrektur, dass ich das Instrument die ganze Zeit leicht schräg gehalten hatte – die komplette Geometrie war hinüber. Die Kursstruktur bei meineMusikschule half mir in solchen Momenten wenig, weil sie auf eine saubere Lektionsreihenfolge setzt und nicht auf Sonderfälle bei alten Erbstücken; wer eine andere, logischere Progression sucht, findet die in meinem Artikel über Akkordeon-Kurse mit logischer Struktur.
Kleinschrittig bis zur Bremse: Die Lernkurve für Wiedereinsteiger
Kleinschrittig aufgebaut ist der Kurs auf jeden Fall – wer noch nie eine Flöte oder ein anderes Instrument angefasst hat, kommt damit vermutlich gut zurecht. Für Wiedereinsteiger mit Vorerfahrung oder für dich, wenn du wie ich Muster schnell erkennst, bremst genau diese Kleinschrittigkeit den Fortschritt spürbar. Du übst viele Vorübungen, bevor überhaupt eine komplette Melodie herauskommt, die über "Hänschen Klein" hinausgeht – ob sich ein Abo oder ein Einmalkauf dabei langfristig mehr lohnt, ist übrigens eine eigene Rechnung, die von der Nutzungsdauer abhängt.
Wer mehr Tempo will, findet das eher beim Kurs Akkordeon für Anfänger von Doormaker: Dort geht es schneller zu komplexeren Stücken, dafür brauchst du auch mehr Frustrationstoleranz. Bei meineMusikschule bleibst du länger in der Komfortzone – nach drei Monaten kannst du viele einzelne Übungen, aber oft noch kein komplettes Stück, das wirklich über den Anfänger-Level hinausgeht. Es ist wie eine Entwicklungsumgebung mit so vielen Sicherheitsabfragen, dass du kaum zum eigentlichen Coden kommst.

Drei Plattformen im direkten Vergleich
Damit du meine Entscheidungsgrundlage nachvollziehen kannst, habe ich die wichtigsten Kennzahlen meiner Testphase in einer Tabelle zusammengefasst – mehr Details dazu in meiner Übersicht der Online-Kurse für Erwachsene. Wie du einen Akkordeon-Kurs überhaupt objektiv bewertest, ist übrigens eine andere Frage, die an anderer Stelle mehr Raum verdient als ein Nebensatz hier.
| Kursname | Modell | Fokus | Schwachpunkt |
|---|---|---|---|
| meineMusikschule | Monatsabo | Einsteiger (Allround) | Geringe Tiefe für Fortgeschrittene |
| Akkordeon für Anfänger | Einmalkauf | Systematischer Aufbau | Hoher Initialpreis |
| Harmonicademy | Abo | Diatonisch/Steirische | Nicht für Pianoakkordeon |
Was passiert mit einem 1964er Erbstück, das keine Ergonomie kennt?
Nach etwa zwanzig Minuten Spielen spürte ich diesen bestimmten Schmerz in der linken Schulter, den keine Werbung erwähnt. Mein Fehler war, dass ich den Bassriemen nicht richtig auf meinen Rahmen eingestellt hatte – ein klassischer Konfigurationsfehler. Meine Nachbarin Friederike Nagel, die von ihrem Vater, einem Geigenbauer, einiges über alte Instrumente mitbekommen hat, hat sich den Riemen einmal kurz angeschaut und die Schnalle zwei Löcher enger gestellt, was das Problem sofort löste. Wie viele Stunden pro Woche du neben einem Vollzeitjob realistisch investieren musst, um an so einem Erbstück überhaupt voranzukommen, ist ein Thema, das mehr als einen Satz verdient.
Die Videoqualität ist bei manchen älteren Lektionen das, was ich als technische Schulden bezeichnen würde – die Plattform ist über Jahre gewachsen und wirkt an ein paar Stellen nicht aus einem Guss. Für mich als IT-Mensch ist das in Ordnung, solange die Dokumentation stimmt, aber wer eine durchgehend moderne Oberfläche erwartet, könnte enttäuscht sein. Ob Video-Feedback zur Korrektur der eigenen Fingerhaltung überhaupt zuverlässig funktioniert, ist eine Frage, die ich an anderer Stelle ausführlicher behandle; für eine fundierte Kaufentscheidung lohnt sich auch mein Artikel zu Kriterien für IT-Spezialisten.
Für Einsteiger ja, für Wiedereinsteiger nur bedingt
Zwölf Wochen nach meiner Anmeldung ist mir an der Arbeitstastatur aufgefallen, dass mein linker kleiner Finger von selbst nach einer Basstaste sucht, die dort gar nicht ist – ein kleiner, aber ziemlich eindeutiger Beweis, dass irgendetwas von der Übung hängengeblieben war, trotz der langsamen Struktur. Für alle, die noch nicht sicher sind, ob sie die Disziplin für ein Instrument über Jahre aufbringen, bleibt meineMusikschule die naheliegendste Wahl: flexibel kündbar, mit einem Support, auf den du dich verlassen kannst.
Björn Kneipp, ein Softwareentwickler aus Hamburg, der über einen geteilten Reddit-Link auf meine Vergleichstabelle gestoßen ist, hat mir kürzlich geschrieben, dass er bei zwei Kursen genau umgekehrte Erfahrungen gemacht hat wie ich – trocken kommentiert mit der Bemerkung, meine Tabelle sei ordentlicher als die meisten Pull-Request-Beschreibungen, die er je gelesen habe. Wer nach den ersten Monaten merkt, dass mehr Tempo und eine präzisere Lernkurve gefragt sind, sollte den Wechsel zu einem spezialisierten Einmalkauf-Kurs wie Akkordeon für Anfänger in Betracht ziehen. Am Ende bleibt es eine Tool-Entscheidung wie jede andere in der IT: Die Software muss sich dem Workflow anpassen, nicht der Workflow der Software – und ein geerbtes Instrument von 1964 hält sich an diese Regel besonders hartnäckig.