
Wie viele Wochen reine Tonleiter-Übungen muss ein erwachsener Anfänger deiner Meinung nach durchstehen, bevor er ein Akkordeon-Stück spielen darf, das sich wirklich nach Musik anhört? In sieben Online-Kursen, die ich fürs Akkordeon lernen getestet habe, bekomme ich darauf ganz unterschiedliche Antworten. Für diesen Online-Kurs-Test schaue ich mir an, warum die Übungsvideos von Doormaker einen anderen Weg gehen als die meisten Anbieter – und was das für die Musik-Systematik bedeutet, mit der ich meine geerbte Hohner Concerto II wieder zum Klingen gebracht habe.
Sieben Kurse in achtzehn Monaten sind kein Zufall: Jeder bekommt bei mir dieselben Spalten in einer Tabelle – Lektionsstruktur, Bild- und Tonqualität, Support-Reaktionszeit, Preis-Leistung und die Zeit bis zur ersten spielbaren Melodie. Drei Kurse habe ich nach zwei Wochen wieder gekündigt, weil die Videoqualität wie technische Schulden aus einer alten Software-Version wirkte und niemand auf Support-Anfragen reagierte. Was folgt, ist eine Offenlegung in eigener Sache: Die Links zu Doormaker, meineMusikschule und Harmonicademy in diesem Artikel sind Affiliate-Links, über die ich eine Provision bekomme, ohne dass sich dein Preis dadurch ändert, an den Kritikpunkten weiter unten ändert das nichts.
Der Mythos vom linearen Übungsweg beim Akkordeon-Lernen
Der Mythos, der sich durch fast jeden Akkordeon-Kurs zieht, klingt einleuchtend: erst Fingerübungen, dann Tonleitern, irgendwann vielleicht ein echtes Stück. Ich habe selbst ein Notenlehrbuch für Kinder gekauft, in der Annahme, ohne Notenlesen käme ich sowieso nicht weit, und genau zwei Seiten durchgearbeitet, bevor mir klar wurde, dass ich hier Notenlesen büffle statt Bassknöpfe zu finden. Genau dieser Ansatz – erst Theorie, dann vielleicht Praxis – ist für mich der Kern des Irrtums. Der Kurs Akkordeon für Anfänger von Doormaker dreht die Reihenfolge um und zeigt von der ersten Lektion an, wie die Finger auf ein konkretes, wenn auch einfaches Stück gesetzt werden, komplett ohne Notenschrift. Ob man grundsätzlich ganz ohne Noten lernen kann, ist eine längere Diskussion für sich, aber als Ausgangspunkt funktioniert es hier gut.

Was bringen die Übungsvideos von Doormaker wirklich?
Am auffälligsten ist zuerst die Kameraführung: Doormaker filmt aus mehreren Perspektiven gleichzeitig, sodass sich sehen lässt, welcher Finger auf welchem Bassknopf liegt, ohne raten zu müssen. Bei einem der abgebrochenen Kurse musste ich drei Tage auf die Antwort zu einer einzigen Frage zur Griffweise warten; bei Doormaker ist die Struktur so linear, dass kaum Rückfragen entstehen, und wenn doch, kam die Antwort innerhalb eines Werktags. Wer mehr über die Auswahlkriterien aus IT-Sicht lesen möchte, findet dazu meinen Artikel über Kriterien für IT-Spezialisten bei der Kurswahl.
Eine Übung mit dem Namen "Bass und Diskant getrennt" hat mir persönlich am meisten gebracht: Erst übt man nur die linke Hand, dann nur die rechte, und führt beide erst zusammen, wenn beide für sich funktionieren. Wie eine Lektionsstruktur im Idealfall logisch aufeinander aufbaut, wäre nochmal ein eigenes Thema, wichtig ist hier nur, dass die Reihenfolge Bass vor Diskant nachvollziehbar bleibt, anders als bei einigen der drei abgebrochenen Kurse. Wie viel Zeit sich das realistisch pro Woche einplanen lässt, ist eine andere Rechnung; entscheidend ist nur, dass die einzelnen Videos kurz genug sind, um nach einem langen Arbeitstag noch reinzupassen. Ob und wie ein Kurs das eigene Spiel per Video-Feedback korrigiert, ist nochmal eine andere Dimension als die reine Lektionsstruktur, die ich hier bewerte. Die Balgführung, also das Zusammenspiel aus Ziehen und Drücken, wird dabei immer nur so weit erklärt, wie es für die jeweilige Übung nötig ist, nicht als eigenes Grundlagenkapitel.
Meine Hohner Concerto II dient als Test-Hardware
Am eigenen Instrument zeigt sich, ob ein Kurs auch für ältere Modelle taugt: Meine Concerto II hat 34 Diskanttasten und ein klassisches Stradella-Bass-System mit 72 Bassknöpfen, aufgebaut nach einer anderen Logik als die neueren Konverter-Systeme, die manche Kurse stillschweigend voraussetzen. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bass-Systemen im Detail durchzugehen, würde hier zu weit führen, aber für die klassische Stradella-Logik passt Doormakers Herangehensweise gut.
Bei den tiefen Bassnoten spüre ich bis heute, wie sich die Vibration der Stimmzungen als feines Kribbeln in die linke Handfläche überträgt, noch bevor der Ton im Ohr ankommt. Neulich saß ich mitten in einem Stück und merkte, dass ich gar nicht mehr auf die Bassknöpfe geschaut hatte – die Finger fanden sie trotzdem richtig, und genau das ist der Moment, den mir vorher keine Theorie erklärt hätte.

Preismodell und Positionierung im Online-Kurs-Test
Direkter Vergleich lohnt sich, weil Doormaker im oberen Preissegment liegt: knapp unter 500 Euro als einmalige Zahlung, ohne Abo und ohne kostenlosen Probemonat, wer nicht sicher ist, ob er dranbleibt, trägt hier ein höheres Risiko als bei einem monatlich kündbaren Angebot. Ob sich Abo oder Einmalkauf langfristig mehr lohnt, ist eine eigene Rechnung, die an anderer Stelle im Detail hingehört; für Doormaker bleibt der hohe Einstiegspreis der klarste Kritikpunkt, den kein Werbetext offen zugibt. So wie ein Bekannter von mir, der regelmäßig im Isartal mountainbiked, jede neue Strecke erst nach mehreren Anläufen wirklich beherrscht, braucht auch ein Kursinhalt Wiederholung, ein hoher Einmalpreis ändert daran nichts.
| Kursname | Preismodell | Lektionsstruktur | Mein Kritikpunkt |
|---|---|---|---|
| Doormaker Anfänger | Einmalkauf (~450€) | Streng linear / Modular | Hoher Einstiegspreis |
| meineMusikschule | Abo (monatlich) | Themenbasiert | Weniger Tiefgang pro Instrument |
| Harmonicademy | Abo/Kurs | Fokus auf Steirische | Nicht für Piano-Akkordeon optimiert |
meineMusikschule funktioniert nach dem Abo-Prinzip, monatlich kündbar, und eignet sich gut, wenn jemand erst einmal ausprobieren will, ob er beim Instrument bleibt. Für die spezifische Mechanik klassischer Pianoakkordeon-Modelle wie meiner Concerto II geht meineMusikschule Akkordeon aber weniger in die Tiefe als Doormaker. Wer stattdessen eine Steirische Harmonika im Keller gefunden hat, ist bei Harmonicademy besser aufgehoben, weil dort die komplett andere, diatonische Logik im Zentrum steht statt der chromatischen Stradella-Logik. Kriterien, an denen sich Kursqualität überhaupt objektiv festmachen lässt und nicht nur an Sternebewertungen, sind ein eigenes Thema; für diesen Vergleich reicht die Tabelle oben.
Nach sieben Kursen zählt für mich nur noch dieses Kriterium
Zurück zur Ausgangsfrage: Ein Kurs muss keine wochenlange Tonleiter-Pflicht vorschalten, um seriös zu sein. Mein Kriterium nach sieben getesteten Kursen ist ein anderes: Zeigt eine der ersten Lektionen bereits ein spielbares, wenn auch einfaches Stück statt nur isolierter Fingerübungen, funktioniert die Struktur meistens auch später. Bei Doormaker war genau das der Fall, trotz des happigen Einstiegspreises und trotz des fehlenden Probemonats.

Wer ein altes Instrument geerbt hat und eine Methode ohne Notenpflicht sucht, findet in Akkordeon für Anfänger von Doormaker einen soliden Ausgangspunkt, vorausgesetzt der Preis schreckt nicht ab. Mehr zum Einstieg mit einem geerbten Instrument habe ich in meinem Artikel zum Thema Akkordeon online lernen mit altem Instrument zusammengefasst. Die 72 Bassknöpfe meiner Concerto II sind für mich inzwischen kein wirres Feld mehr, sondern ein System, das sich abrufen lässt, sobald der Balg sich bewegt.