
72 Bassknöpfe hat das Stradella-Bass-System meiner geerbten Hohner Concerto II — und von sieben Online-Kursen, die ich seit der Erbschaft vor zwei Jahren getestet habe, haben mir gerade mal zwei wirklich gezeigt, wie ich diese 72 Knöpfe benutze, statt sie nur auswendig aufzusagen. Mein Online-Kurs-Test folgt seither einer festen Regel: zwei Wochen Probezeit pro Kurs, dann Daumen rauf oder runter. Für erwachsene Anfänger, die wie ich beim Akkordeon lernen keine Notenkenntnisse mitbringen, entscheidet diese Regel über einen sauberen Testaufbau oder einen Stapel ungenutzter Abos.
Das Layout folgt der Logik des Quintenzirkel, aber wie andere Bass-Systeme im Vergleich abschneiden, ist ein eigenes Kapitel, das ich an anderer Stelle im Detail durchgerechnet habe. Mich interessiert hier etwas anderes: Warum bringen manche Kurse einen von der ersten Lektion an dazu, dieses System wirklich zu benutzen, während andere nach zwei Wochen nur einen Stapel Notenblätter und ein schlechtes Gefühl hinterlassen?
Akkordeon lernen als erwachsener Anfänger: Breite zuerst oder Tiefe zuerst?
Aus sieben getesteten Kursen kristallisieren sich für mich zwei grundverschiedene Philosophien heraus — drei sind schon in der zweiwöchigen Probezeit durchgefallen, die übrigen vier habe ich bis zum Ende durchgezogen, über hunderte Übungsstunden verteilt. Die eine würde ich als Breadth-First bezeichnen: Der Kurs wirft dir in den ersten Lektionen möglichst viel vor die Füße — ein bisschen Notenlehre, ein bisschen Balgführung, ein bisschen Bass-Begleitung, ein bisschen Gehörbildung, alles parallel. Die andere ist Depth-First: Ein Skill wird isoliert, geübt, bis er sitzt, und erst dann kommt der nächste dazu.
Klaus Bünger, ein Kollege aus meinem Team, brachte diesen Vergleich neulich beim Mittagessen auf, als ich ihm von meiner Kurs-Tabelle erzählte, und ich fand ihn zu treffend, um ihn nicht zu übernehmen. Breadth-First-Kurse fühlen sich in der ersten Lektion beeindruckend an, weil man sofort ein bisschen von allem sieht. Depth-First-Kurse wirken am Anfang langsam, fast zäh — aber genau da liegt für strukturierte Lerner der Unterschied.
Bevor ich überhaupt einen einzigen Kurs gebucht hatte, hatte ich es mit einem dritten Ansatz versucht: wahllos YouTube-Videos schauen, ohne Playlist, ohne Reihenfolge, ohne System. Das Ergebnis war weder Breadth-First noch Depth-First, sondern schlicht keine Progression — ich konnte kurz danach keinen einzigen der gezeigten Handgriffe mehr zuverlässig wiederholen. Genau dieser Umweg hat mich zur zweiwöchigen Testphase pro Kurs gebracht, weil mir klar wurde, dass ich ohne harte Abbruchkriterien in dasselbe Chaos zurückrutschen würde.

Breadth-First vs. Depth-First: Wie sich das in echten Kursen zeigt
In der Praxis sah das so aus: Ein Kurs ließ mich Melodie, Bass-Begleitung und Notenlesen von der ersten Lektion an gleichzeitig anfassen — nach der zweiwöchigen Probezeit hatte ich von allem ein bisschen und von nichts wirklich etwas. Ein anderer Kurs verlangte in Lektion eins nur eine Sache: die rechte Hand ruhig über fünf Tasten führen, ohne einen einzigen Ton danebenzugreifen. Das fühlte sich nach Zeitverschwendung an, bis mir in einer späteren Lektion auffiel, dass mir genau diese Ruhe fehlte, wenn ich sie übersprungen hatte.
Was Depth-First-Kurse fast immer besser hinbekommen, ist die Balgführung — ein Bereich, den viele Kurse komplett übergehen, weil er sich schlecht in ein Lehrvideo packen lässt. Erst als ich vor Kurzem eine alte Handyaufnahme von mir wiederfand, ist mir aufgefallen, dass das trockene Knacken beim Balgwechsel, das am Anfang bei fast jedem zweiten Ton zu hören war, komplett verschwunden ist, ohne dass ich es bewusst bemerkt hätte. Wie man Balgführung im Detail trainiert, ist ein eigenes Thema für sich — hier zählt nur, dass ein Kurs, der das überhaupt anspricht, schon einen Punkt Vorsprung hat.
Bildqualität ist das, was ich in jedem Test sofort merke: Sehe ich die Fingerstellung am Bass wirklich, oder verschwindet sie hinter einer verwackelten Handykamera? Solche Akkordeon Online Kurs finden: Kriterien für IT-Spezialisten bei der Kurswahl fließen direkt in meine Tabelle mit ein, zusammen mit der Frage, wie viel Übungszeit neben einem Vollzeitjob realistisch drin ist — auch das eine eigene Rechnung, die hier nicht das Thema ist.
Die Tabelle, die bei mir über Abbruch oder Fortsetzung entschied
Am Ende jeder zweiwöchigen Probezeit landete jeder Kurs in derselben vierspaltigen Tabelle, die ich mittlerweile für jeden neuen Kandidaten kopiere. Vier Kriterien reichen mir, um zu entscheiden, ob ein Kurs es wert ist, weitergeführt zu werden: Lektionsstruktur, Support, der Umgang mit Notenzwang und was am Ende an Investition dabei herauskommt.

Auszug aus meiner Kurs-Dokumentation
| Kriterium | Schlechter Kurs (Abgebrochen) | Guter Kurs (Durchgezogen) |
|---|---|---|
| Lektionsstruktur | Zufällige Liedauswahl | Modularer Aufbau nach Mechanik |
| Support | Keine Antwort auf Tickets | Persönliches Feedback via Video |
| Noten-Zwang | Ab Lektion 1 | Erst Gehör und Mechanik, dann Theorie |
| Investition | Ca. 150 € (Lehrgeld) | Ca. 250 € (Investition) |
Die Investitionszahlen in der Tabelle sind grobe Richtwerte aus meiner eigenen Dokumentation, keine Festpreise — die tatsächlichen Beträge schwanken je nach Aktion und Abo-Laufzeit. Ob du dich für ein Abo oder einen Einmalkauf entscheidest, ist ohnehin eine eigene Rechnung, die ich an anderer Stelle im Detail durchgespielt habe; hier zählt nur, dass in beiden Fällen dieselbe Tabelle über Kündigung oder Kauf entscheidet. Was mich am abgebrochenen Kurs aus der linken Spalte am meisten störte, war nicht der Notenzwang ab Lektion 1, sondern dass zwei Support-Tickets zur Fingersatz-Frage bei der Bass-Begleitung schlicht unbeantwortet blieben.
Bei einem Erbstück von 1964 wie meiner Hohner Concerto II kommt außerdem eine Variable dazu, die neuere Instrumente nicht haben — dazu mehr in Akkordeon Online Kurs: Welche Lehrer passen am besten zu alten Hohner Modellen?, das würde hier den Rahmen sprengen.

So erkennst du, ob ein Kurs strukturiert ist oder nur so aussieht
Wie du die Qualität eines Kurses objektiv misst, statt dich auf Werbeversprechen oder Sternebewertungen zu verlassen, habe ich in einem separaten Artikel bis ins Detail durchdekliniert. Als grobe Faustregel gilt hier: Ein Kurs, der von Lektion eins an ohne Notenblatt auskommt und stattdessen mit Mustern und Wiederholung arbeitet, gehört fast immer ins Depth-First-Lager — wie dieser notenfreie Ansatz im Detail funktioniert, habe ich woanders ausführlich seziert, weil er für Späteinsteiger besonders gut funktioniert. Wer wie ich als Späteinsteiger eine Vorliebe für Systeme statt Etüden hat, findet in Akkordeon lernen für Späteinsteiger: Wie gut ist das Harmonicademy System? einen Kurs, der genau darauf aufbaut.
Video-Feedback und Reihenfolge prüfen, bevor du zahlst
Zwei Dinge aus meiner Tabelle tauchen in fast jedem guten Kurs auf, die ich anfangs unterschätzt habe. Erstens Multi-Angle-Aufnahmen, bei denen Diskant und Bass gleichzeitig im Bild sind, statt dass die Kamera ständig zwischen beiden hin- und herspringt. Zweitens die Möglichkeit, ein eigenes Übungsvideo hochzuladen und dafür echtes Korrektur-Feedback zu bekommen statt eines automatisierten Kommentars — wie gut dieses Feedback tatsächlich funktioniert, ist wieder ein eigener Test für sich, den ich an anderer Stelle gemacht habe. Ein Muster zieht sich dabei durch fast jeden guten Kurs: eine klare, logische Lektionsreihenfolge ohne unangekündigte Komplexitätssprünge gehört fast immer zur Depth-First-Fraktion; was eine wirklich saubere Reihenfolge im Detail ausmacht, habe ich separat bis in die letzte Lektion durchleuchtet.
Wann du Breadth-First wählst, wann Depth-First
Edeltraud Pfisterer, eine Leserin, hat mir nach meinem ersten Kursvergleich geschrieben und wollte es kurz und knapp: kein Breadth-First, kein Depth-First, einfach eine Empfehlung für ihr geerbtes Akkordeon. Diese Antwort schulde ich am Ende jedem, der bis hierher gelesen hat, also hier die kurze Fassung.
Wähle einen Breadth-First-Kurs, wenn du bereits ein Instrument spielst, Übung im schnellen Kontextwechsel hast und dich schnell langweilst, sobald du an einer einzigen Bewegung hängen bleibst. Wähle einen Depth-First-Kurs, wenn du wie ich komplett bei null anfängst, mit einem geerbten oder gebrauchten Instrument, ohne Notenkenntnisse und mit wenig Geduld für den Frust, den übersprungene Grundlagen später verursachen. Unter den Kursen, die ich tatsächlich bis zum Ende durchgezogen habe, war es fast durchgängig der Depth-First-Ansatz, der mich zu einer wirklich spielbaren Melodie gebracht hat — nicht weil er schneller ist, sondern weil er weniger Gelegenheiten bietet, sich selbst über den eigenen Fortschritt zu belügen.